Interview mit dem Töfte Regionsmagazin (04/2020)

Frau Reuscher, stellen Sie sich unseren Leserinnen und Lesern vor?

Ich bin gebürtige Sendenhorsterin und nach meinem Abitur 2000 studienbedingt nach Dortmund umgezogen. Dort habe ich 2006 mein Studium als Dipl.-Ing. in der Fachrichtung Raumplanung abgeschlossen. Das Studium reicht von Städtebau und Bauleitplanung bis hin zu Verkehrs- und Landschaftsplanung. Nach einigen Jahren in Bayern arbeite ich aktuell für die Otto Pankok Stiftung in Wesel, für die ich gemeinsam mit einem großen Kreis ehrenamtlicher Engagierter, einen Bildungs- und Kulturort entwickle und bei einem Büro in Schwerte. Hier begleite ich Kommunen, Vereine und ehrenamtliche Initiativen, die mit dem Förderprogramm des Landesministeriums für Kultur und Wissenschaft sogenannte Dritte Orte als lebendige öffentliche Orte für Kultur und Begegnung entwickeln.

Wie wird man Bürgermeisterkandidatin?

Aus der Findungskommission der SPD kam die Anfrage an mich, ob ich mir vorstellen könnte, für das Amt der Bürgermeisterin in der Stadt Sendenhorst zu kandidieren. Nach reiflicher Überlegung und nach intensiven Gesprächen mit Familie, Freunden und Kollegen, habe ich dann für mich entschieden: Ja – das will ich. Ich trete aber als parteiunabhängige Kandidatin an, das ist mir wichtig.

Welche Gründe haben letztlich dazu geführt, sich um das Amt des Bürgermeisters zu bewerben?

Ich bin der festen Überzeugung, dass ich ganz viel Positives für Sendenhorst und Albersloh in Gang setzen kann. Ich kenne die Stadt gut, bringe aber auch den Blick von außen und damit neue Impulse und eben Unabhängigkeit mit. Meine jetzigen beruflichen Arbeitsfelder beinhalten zudem eine Vielzahl von Schnittstellen, die mich im Amt der Bürgermeisterin erwarten. Ich kann zuhören, mit Menschen reden und sie mit auf den Weg nehmen. Und als Bürgermeisterin kann ich mit ihnen unsere Stadt gestalten und Dinge eben einfach besser machen, eine tolle Aufgabe.

Neben der Präsentation der Gemeinde nach außen ist ein wesentlicher Bestandteil der Tätigkeit des BM die Führung von über 100 Mitarbeite-rinnen und Mitarbeitern. Wie wollen Sie diesen Bereich angehen?

In meinem Beruf habe ich laufend mit Verwaltungen auf allen Ebenen zu tun. Daher sind mir Abläufe bekannt. Für eine bürgerfreundliche, funktionierende Stadt ist eine gute, motivierte Verwaltung unerlässlich. In Sendenhorst stehen in absehbarer Zeit personelle Veränderungen an. Das halte ich für eine große Chance für frische Ideen. Führung bedeutet für mich vor allem gute Kommunikation und Menschen da einzusetzen, wo ihre Stärken liegen. Ziele müssen dabei gemeinsam erarbeitet und umgesetzt werden.

Als Bürgermeister wird man tagtäglich mit vielen unterschiedlichen Rechtsnormen konfrontiert: allgemeines Verwaltungsrecht, Baurecht, Ordnungsrecht und auch Finanzwesen, um nur einige zu nennen. Wie wollen Sie sich darauf vorbereiten?

Mir fällt es nicht schwer, mich in neue Sachverhalte einzuarbeiten. In einigen Bereichen kann ich auf Erfahrungswerte zurückgreifen, zum Beispiel im Baurecht und Vergaberecht. Trotz alledem werde ich mich selbst-verständlich in verschiedenen Gebieten weiter qualifizieren – wie es in jedem Beruf nötig ist.

Gibt es konkrete Projekte, die Sie sich für Ihre Amtszeit vorgenommen haben?

Ich bin noch nicht soweit, dass ich an dieser Stelle eine Agenda von Projekten habe, die ich in diesem Zusammenhang nennen will. Ich kann aber sagen, dass mein besonderer Fokus auf die Innenstadtbereiche in beiden Ortsteilen gerichtet ist. Eine funktionierende Gemeinde muss vitale Kernbereiche haben, in denen sich alle am öffentlichen Leben beteiligten Gruppierungen in unterschiedlichster Form wiederfinden können. Mit der Reaktivierung der WLE und den im Raum stehenden Umgehungsstraßen sind hier große Veränderungsprozesse zu erwarten, auf die wir schon jetzt reagieren müssen. Zudem finde ich es wichtig, dass notwendige Erweiterungen für Wohnen und Gewerbe moderat und angepasst erfolgen. Engagement und Ehrenamt müssen durch Rat und Verwaltung Unterstützung spüren. Mit dem Ehrenamtskoordinator ist hier ein erster guter Schritt gemacht worden. Weitere müssen folgen, denn nur so kann Gemeinwesen funktionieren. Zu der augenblicklich viel diskutierten Bürgerhalle habe ich noch keine abschließende Meinung. Bevor man über Standorte und Planungen redet, sollte man zunächst mal herausarbeiten, was wir tatsächlich benötigen.

Kandidatin der SPD; heißt das, dass nur deren Meinung zählt oder können Sie sich vorstellen, in den politischen Gremien eine andere Auffassung zu vertreten und dafür einzutreten?

Die Sachebene ist bei mir immer vorrangig vor parteipolitischen Überlegungen. Für gute Lösungen gilt es dann, Mehrheiten zu schaffen. Das kann durchaus auch mit anderen Parteien geschehen.

Ist Ihnen der Kandidat der CDU, Markus Hartmann, schon bekannt?

Ja, wir sind uns persönlich bekannt, und ich habe ihn telefonisch von meiner Kandidatur vor der Veröffentlichung in der Presse in Kenntnis gesetzt. Ich kann der Tatsache, dass die Bürgerinnen und Bürger eine richtige Auswahl unter zwei Kandidaten haben, nur Positives abgewinnen.

Hatten Sie schon Gespräche mit anderen Parteien?

Ich bin mit den anderen Parteien – außer mit der CDU – in ersten Gesprächen; weitere werden folgen.

Eine letzte Frage noch: beschreiben Sie die Bürgerinnen und Bürger Sendenhorsts und Alberslohs mit drei Adjektiven.

westfälisch-bodenständig – verlässlich – manchmal zu bescheiden

Frau Reuscher, herzlichen Dank für dieses Gespräch und viel Erfolg beim Wahlkampf.

Das Töfte-Interview als PDF.